Nachhaltigkeit in der Region

Ökologie und Nachhaltigkeit – zwei Begriffe, die eng miteinander verwoben sind und derzeit aus alltäglichen Gesprächen kaum noch wegzudenken sind. Daher hat es sich das Entwicklungsforum Holzwinkel und Altenmünster e.V. zur Aufgabe gemacht, herauszufinden, wo und was zu diesen Themen in der Region schon alles passiert.

Den Auftakt macht das folgende Interview mit Walter Thiergärtner aus Welden.

„Es ist sonnenklar: wir brauchen mehr grünen, günstigen und regionalen Strom.“

Walther Thiergärtner

Walter Thiergärtner aus Welden hat vor 10 Jahren die Bürgersolaranlage in Welden initiiert und gegründet und besitzt auch zusätzlich privat noch weitere Anlagen. Dem pensionierten Agraringenieurwar es damals schon sonnenklar: wir brauchen mehr grünen, günstigen und regionalen Strom.

Entwicklungsforum (EF): Wie kam es dazu, dass die Bürgersolaranlage in Welden gebaut wurde?

Thiergärtner: Das war eigentlich relativ einfach. Privat habe ich 2004 zusammen mit meinem Cousin meine erste Photovoltaikanlage in Niederraunau bei Krumbach gebaut, denn durch das zum 01.01.2004 neu in Kraft getretene Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) herrschten dafür ganz gute Bedingungen. Wenn ich dann durch das Dorf gelaufen bin und mir die vielen ungenutzten Dächer angesehen habe, ist mir immer wieder das Schuldach aufgefallen. Ich dachte mir, das steckt Potenzial drin. Nachdem ich mit meinem Anliegen, eine Bürgersolaranlage gründen zu wollen, im Februar 2009 bei unserem Bürgermeister Herrn Bergmeir war, ging alles ganz schnell. Ich startete einen Aufruf im Holzwinkel mit der Überschrift „Initiative Bürgersolaranlage Welden“, habe einen Termin für eine Infoveranstaltung festgesetzt und prompt kamen 12 Bürger, die sich dafür interessierten. Nach ein paar Versammlungen gründeten wir – das sind 17 Gesellschafter - Mitte April 2009 eine GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts). Im Juni 2009 wurden dann auch schon die letzten Teile der Anlage in Betrieb genommen. Von der Idee bis die Anlage in Betrieb genommen werden konnte, verging also nicht mal ein halbes Jahr, was vor allem auch an der Unterstützung des Schulverbandes, Schulleiter Martin Dumberger und Peter Bergmeir gelegen hat.

EF: Haben Sie für die Bürgersolaranlage das Dach der Schule gemietet?

Bürgersolaranlage auf dem Dach der Mittelschule Welden

Thiergärtner: Ja. Nachdem der Schulverband Eigentümer des Daches ist, haben wir mit ihm einen Gestattungsvertrag auf 20 Jahre abgeschlossen. Damit hatten wir auch das Recht, die Solaranlage zu bauen. Mit Ablauf der 20 Jahre besteht aber die Möglichkeit, den Vertrag nochmal zu verlängern.

EF: Wie groß ist die Anlage und wie viel kWh können pro Jahr damit erzeugt werden?

Thiergärtner: Die Leistung einer solchen Anlage wird in kW peak angegeben. In unserem Fall ergeben das dann 142 kW peak Leistung, die auf dem Schuldach installiert sind. Bis auf die Nordseite sind auch alle Seiten voll mit den Solarmodulen. Wir haben dann mit etwa 126.000 kWh Stromerzeugnis kalkuliert. Tatsächlich produziert die Solaranlage allerdings zwischen 130.000 – 138.000 kWh pro Jahr. Sie läuft also besser, als ursprünglich vermutet. Wenn man davon ausgeht, dass ein vier Personen Haushalt durchschnittlich 3.000 – 3.500 kWh im Jahr verbraucht, können mit dem Strom aus der Bürgersolaranlage etwa 30 bis 40 Haushalte versorgt werden.

EF: Von welcher Firma wurde die Anlage gebaut und welchen Kosten muss man bei einer solchen Anlage rechnen?

Thiergärtner: Uns war es wichtig, einer Firma aus der Region den Auftrag zu erteilen. Letztendlich haben wir uns für das Unternehmen Stuhlenmiller aus Altenmünster entschieden. Insgesamt hat die PV-Anlage damals 500.000 € gekostet.

EF: Wie sieht es mit der Energiebilanz der Solaranlage aus?

Thiergärtner: Tatsächlich ist die Energiebilanz der Anlage klar positiv. Die Materialien, die bei den Solarmodulen verwendet werden, sind fast komplett recycelbar. Außerdem haben wir in den letzten 10 Jahren schon etwa 1.000 t CO² eingespart. Die Einsparung und die Produktion können über ein Display an der Schule beobachtet werden. Allerdings muss man auch sagen, dass sich der Klimawandel auch an der Anlage bemerkbar macht. Scheint die Sonne zu viel, dann werden die Module zu heiß und die Leistung der Anlage verringert sich. Wenn Sie da ein Spiegelei braten möchten, dann verdampft es sofort. Die beste Leistung bringen solche PV-Anlagen an Tagen mit kühlem Wind und viel Sonne – meist im April oder Mai.

EF: Haben Sie das Gefühl, dass sich bei den Mitbürgern nach dem Bau der Bürgersolaranlage vor 10 Jahren das Bewusstsein hinsichtlich einer regionalen Energieerzeugung verändert hat?

Thiergärtner: Definitiv. Der Bau der Bürgersolaranlage hat bei manchen Bürgern schon etwas ausgelöst. Es waren immer mehr neue Photovoltaikanlagen im Dorf zu sehen und es haben sich vermehrt Bürger mit dem Thema beschäftigt. Einige der Gesellschafter haben zum Beispiel anschließend eine private Anlage gebaut. Um aber noch mehr Leute zu erreichen, habe ich einen Energiestammtisch gegründet, an dem sich unter anderem interessierte Bürger mit schon erfahrenen Bürgern über Solaranlagen austauschen können. Denn wenn ich mir die Dächer im Dorf so anschaue, dann ist in Sachen Photovoltaikanlage auf jeden Fall noch Luft nach oben.

EF: Herr Thiergärtner, wir danken Ihnen für das informative Gespräch.

Hinweis: Sie haben wollen sich weiter informieren? Treten Sie in Kontakt beim nächsten Energiestammtisch im Herbst (genauer Termin wird noch bekannt gegeben)


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